{"id":487,"date":"2011-09-20T22:27:58","date_gmt":"2011-09-20T20:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/?page_id=487"},"modified":"2014-08-12T14:57:12","modified_gmt":"2014-08-12T12:57:12","slug":"erganzende-informationen-zur-vita-elisabeth-selberts","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/?page_id=487","title":{"rendered":"Kurzbiographie"},"content":{"rendered":"<h1>Elisabeth Selbert<\/h1>\n<p>22.9.1896 &#8211; 9.6.1986<\/p>\n<p style=\"padding-left: 180px;\"><sup>\u201eEs ist ein grundlegender Irrtum, bei der Gleichberechtigung von der Gleichheit auszugehen. Die Gleichberechtigung baut auf der Gleichwertigkeit auf, die die Andersartigkeit anerkennt.&#8221; (18.1.1949)<\/sup><\/p>\n<p><strong>\u201eM\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt\u201c &#8211; dieser Satz st\u00fcnde heute nicht in unserer Verfassung ohne die Sozialdemokratin und Juristin Elisabeth Selbert, eine der vier &#8220;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8221;.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Geschwister.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-4904\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Geschwister-300x195.jpg\" alt=\"ES_Geschwister\" width=\"237\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Geschwister-300x195.jpg 300w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Geschwister.jpg 889w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a>Elisabeth Rhode w\u00e4chst in einer kleinb\u00fcrgerlichen Familie auf. Sie ist die zweit\u00e4lteste von vier T\u00f6chtern. Bis 1912 geht sie zur Realschule. Wegen ihrer guten Leistungen ist sie von der Schulgeldzahlung befreit. Wie alle M\u00e4dchen ihrer Zeit erh\u00e4lt sie kein Zeugnis der mittleren Reife, als sie die Schule verl\u00e4sst. Sie m\u00f6chte Lehrerin werden, doch der dazu notwendige Besuch des Oberlyzeums ist unbezahlbar. Nach einem Jahr Handelsschule arbeitet sie zun\u00e4chst bei einer Import- und Exportfirma. Zu Beginn des ersten Weltkriegs wird sie arbeitslos. Erst zwei Jahre sp\u00e4ter findet sie eine Anstellung als Postgehilfin im Telegraphendienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4906 \" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_und_Adam_Selbert-300x235.jpg\" alt=\"ES_und_Adam_Selbert\" width=\"134\" height=\"104\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_und_Adam_Selbert-300x235.jpg 300w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_und_Adam_Selbert.jpg 902w\" sizes=\"auto, (max-width: 134px) 100vw, 134px\" \/>Dort lernt sie ihren sp\u00e4teren Mann den Buchdrucker Adam Selbert kennen. \u00dcber ihn, der 1918 dem Kasseler Arbeiter- und Soldatenrat angeh\u00f6rt, findet sie Zugang zur Politik. Noch im selben Jahr tritt sie in die SPD ein. Sie fordert die Frauen auf, das ihnen zugestandene aktive und passive Wahlrecht zu nutzen. Als einzige Frau wird sie Anfang der zwanziger Jahre Abgeordnete im Gemeindeparlament in Niederzwehren bei Kassel. 1921 nimmt sie als Delegierte an der ersten Reichsfrauenkonferenz der SPD in Kassel teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-4902\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert-Hut_neu-189x300.jpg\" alt=\"Selbert-Hut_neu\" width=\"127\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert-Hut_neu-189x300.jpg 189w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert-Hut_neu-647x1024.jpg 647w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert-Hut_neu.jpg 1744w\" sizes=\"auto, (max-width: 127px) 100vw, 127px\" \/>Als Ehefrau und Mutter zweier S\u00f6hne legt sie 1926 das externe Abitur ab. Mit Unterst\u00fctzung ihres Mannes und ihrer Eltern beginnt sie im Alter von bereits drei\u00dfig Jahren ein Jurastudium, als eine der ersten Frauen in Deutschland.1930 promoviert sie \u00fcber das Thema &#8220;Ehezerr\u00fcttung als Scheidungsgrund&#8221;. Die Abkehr vom Verschuldungsprinzip, die sie in ihrer Doktorarbeit fordert, wird in der Bundesrepublik Deutschland erst 1977 festgeschrieben. Die politische Arbeit l\u00e4uft nebenher weiter. Bei den Reichstagswahlen Ende 1932 kandidiert sie f\u00fcr die SPD, immerhin auf einem so sicheren Platz, dass sie auf der Liste als n\u00e4chste nachger\u00fcckt w\u00e4re. Ihre Zulassung als Anw\u00e4ltin erh\u00e4lt sie Ende 1934, zwei Wochen bevor Frauen der Zugang zu diesem Beruf ganz verwehrt wird. Da ihr Mann von den Nationalsozialisten amtsenthoben, zeitweise in ein KZ verschleppt und von der Gestapo \u00fcberwacht wird, muss sie ihre Familie allein ern\u00e4hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Carlo_Schmid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-4903\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Carlo_Schmid-300x289.jpg\" alt=\"ES_Carlo_Schmid\" width=\"128\" height=\"123\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Carlo_Schmid-300x289.jpg 300w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Carlo_Schmid.jpg 865w\" sizes=\"auto, (max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/><\/a>1946 wird sie in die verfassungsgebende Landesversammlung Hessens entsandt, in den Parteivorstand der SPD in Hessen berufen und in den hessischen Landtag gew\u00e4hlt. 1948 wird sie Mitglied des parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet. Dort bestehen erhebliche Vorbehalte gegen die uneingeschr\u00e4nkte gesetzliche Gleichstellung von Mann und Frau.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Muetter_des_grundgesetzes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-4907\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Muetter_des_grundgesetzes-300x245.jpg\" alt=\"Muetter_des_grundgesetzes\" width=\"131\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Muetter_des_grundgesetzes-300x245.jpg 300w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Muetter_des_grundgesetzes.jpg 914w\" sizes=\"auto, (max-width: 131px) 100vw, 131px\" \/><\/a>Elisabeth Selbert erf\u00e4hrt gro\u00dfen Widerstand, als sie ihren Gesetzestext vorlegt. Selbst von den drei weiblichen Abgeordneten Frieda Nadig, Helene Wessel und Helene Weber erh\u00e4lt sie zun\u00e4chst keine Unterst\u00fctzung. Um die Neuformulierung des Art.3 Abs.2 durchzusetzen, w\u00e4hlt sie den au\u00dferparlamentarischen Weg.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Hannover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4905\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Hannover-300x232.jpg\" alt=\"ES_Hannover\" width=\"132\" height=\"102\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Hannover-300x232.jpg 300w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/ES_Hannover.jpg 902w\" sizes=\"auto, (max-width: 132px) 100vw, 132px\" \/><\/a>Sie fordert alle Frauen in Deutschland auf, im Parlamentarischen Rat gegen die alte Formulierung zu protestieren. Innerhalb von nur sechs Wochen, in denen sie wie ein Wanderprediger werbend durch das Land zieht, gehen w\u00e4schek\u00f6rbeweise Petitionen ein. Die Parlamentarier stimmen unter dem Druck der Frauen-\u00f6ffentlichkeit schlie\u00dflich dem Grundsatz der Gleichberechtigung zu. Damit werden die bis dahin noch g\u00fcltigen frauenfeindlichen ehe- und familienrechtlichen Bestimmungen des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches von 1896 verfassungswidrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert_1948.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4901\" src=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert_1948-201x300.jpg\" alt=\"Selbert_1948\" width=\"128\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert_1948-201x300.jpg 201w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert_1948-688x1024.jpg 688w, https:\/\/igs-bonn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Selbert_1948.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/><\/a>1958 legt Elisabeth Selbert alle ihre politischen \u00c4mter nieder, in ihrer Kanzlei ist sie bis zum Alter von 85 Jahren t\u00e4tig. Sie ist wahrscheinlich entt\u00e4uscht, dass sie in ihrer aktiven Zeit als Politikerin nie ihrem Rang und Format entsprechend von der SPD gew\u00fcrdigt oder eingesetzt wird: Sie wird weder hessische Justizministerin, noch Bundestagsabgeordnete oder Richterin beim Bundesverfassungsgericht. \u00dcber ihren Sitz im hessischen Landtag kommt sie nicht hinaus. Doch ihr Nachruhm w\u00e4chst. 2013 wird von der ARD ein Film \u00fcber die &#8220;Sternstunde ihres Lebens&#8221; produziert, der am 21. Mai 2014 zum ersten Mal gesendet wird. <em>(KS)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisabeth Selbert 22.9.1896 &#8211; 9.6.1986 \u201eEs ist ein grundlegender Irrtum, bei der Gleichberechtigung von der Gleichheit auszugehen. 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