Projekt27

Vorwort

Das Projekt27 betrifft alle Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in der Abteilung II (Jahrgänge 8 – 10). Aufgrund des Inkrafttretens des 9. Schulrechtsänderungsgesetztes und der uns Zur Verfügung stehenden Stunden der Lehrer für Sonderpädagogik, wurde in der Abteilung II ab dem Schuljahr 2015/2016 die Doppelbesetzung in den Inklusionsklassen aufgelöst und die Schüler werden flankierend zum regulären Unterricht in ihren Klassen / Kursen durch das Projekt27 unterstützt, beraten, sonderpädagogisch gefördert und unterrichtet.

Nicht nur aufgrund der uns Zur Verfügung stehenden Stunden der Lehrer für Sonderpädagogik wurde die Doppelbesetzung in den Inklusionsklassen aufgelöst, sondern auch, weil das Vorrangige Ziel der sonderpädagogischen Förderung ab der achten Klasse die Selbstständigkeit ist. Wir entlassen die Schülerinnen und Schüler nach zehn Schulbesuchsjahren in die Welt. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen sie gelernt haben die Verantwortung für sich zu übernehmen, selbstständig nach Hilfe und Unterstützung zu fragen und einen Plan entwickelt haben, in welche Richtung ihr weiteres Leben gehen soll. Das Projekt27 ermöglicht den Schülerinnen und Schüler, ihr schulisches Leben selbst in die Hand zu nehmen, und trotzdem immer wieder auf ein stabiles Unterstützungsangebot zurückgreifen zu können.

  1. Zielgruppe und Ziele

Das Projekt27 ist zuständig für alle Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in den Jahrgängen 8, 9 und 10.

Das Vorrangige sonderpädagogische Förderziel für alle Schülerinnen und Schüler ist die Auseinandersetzung mit ihren individuellen Stärken und Schwächen. Die Förderschwerpunkte emotionale und soziale Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Kommunikation und Sprache werden zielgleich unterrichtet. Sie werden also nach den Richtlinien und Lehrplänen der allgemeinbildenden Schule unterrichtet. Die sonderpädagogischen Ziele für diese Schülerinnen und Schüler beziehen sich hauptsächlich auf die Bereiche Emotionalität, Lebensgestaltung und Selbstverwirklichung, Lern- und Arbeitsverhalten, Soziabilität und Berufswahlorientierung.

Die Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung werden zieldifferent unterrichtet. Sie werden also nach den Richtlinien und Lehrplänen der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unterrichtet. Die sonderpädagogischen Ziele für diese Schülerinnen und Schüler beziehen sich hauptsächlich auf die Bereiche Gedächtnis, Merkfähigkeit, schlussfolgerndes Denken, Transfer- und Vorstellungsfähigkeit, Urteils- und Planungsfähigkeit, Problemlösen, soziales Selbstkonzept, lebenspraktische Fähigkeiten, Verantwortungsbereitschaft, Berufswahlorientierung, sowie die grundlegenden Fähigkeiten in den Fächern Mathematik und Deutsch.

  1. Praktische Umsetzung

Das Projekt27 ist in den Räumen I107 und I108 zu finden.

Der größere dieser Räume (I108) dient dem Unterricht in Kleingruppen, für Einzelgespräche oder als Raum der Ruhe, in den sich die Schülerinnen und Schüler auch mal zurückziehen können. Dort gibt es Material zu den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, eine kleine Bücherei und Gesellschaftsspiele.

Der kleinere der Räume (I107) ist das Büro der zuständigen Sonderpädagoginnen. Hier ist der Platz für Gespräche in größeren Gruppen, für die Beratung von Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen und Eltern. Dieser Raum ist jeden Tag ab 07:45 Uhr bis 13:00 bzw. 15:00 Uhr von einer Sonderpädagogin besetzt und ist somit das Anlaufziel für alle Fragen, Sorgen und Nöte.

Im Projekt27 arbeiten 2 Sonderpädagoginnen. Zusätzlich sind Regelschulkollegen im Projekt27 eingesetzt, die in enger Kooperation mit den Sonderpädagoginnen den Fachunterricht Englisch, Deutsch und Mathematik übernehmen und die zieldifferenten Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen unterrichten.

Selbständig werden, selbständig sein!

Als Selbstständigkeit bezeichnet man die Möglichkeit, die Fähigkeit, die Bereitschaft und die Pflicht, für das eigene Handeln, Reden und Unterlassen Verantwortung zu tragen. Das bedeutet, dass man für sich selbst sorgt, dass man für die eigenen Taten einsteht und die Konsequenzen dafür trägt, bei allem wofür man sich entscheidet. Mit Beginn der 8. Klasse und der einsetzenden Berufswahlorientierung erhält die selbständige Lebensführung und das „Abnabeln“ insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf eine zentrale Bedeutung auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben außerhalb der Schule.

Das Projekt27 ermöglicht den Schülerinnen und Schüler, ihr schulisches Leben selbst in die Hand zu nehmen, und trotzdem immer wieder auf ein stabiles Unterstützungsangebot zurückgreifen zu können.

Im Alltag sieht dieses Stabile Unterstützungsangebot folgendermaßen aus:

Schülerinnen und Schüler mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung bekommen, in Absprache mit den Eltern und den Fachkollegen, einen individuellen Stundenplan. Dadurch können wir im Projekt27 deutlich besser auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen und sie auf das selbstbestimmte Leben und die Berufswelt vorbereiten. So kann es sein, dass eine Schülerin/ein Schüler dieser Förderschwerpunkte 4 – 6 Wochenstunden im Projekt27 individuell gefördert wird, den Rest der Unterrichtszeit aber im Klassenverband verbringt.

Beispielhafter Stundenplan eines Schülers mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung:

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1 Englisch Sport Arbeit im Schulkiosk Englisch Chemie
2 WP1 Mathematik im Projekt 27 Deutsch Deutsch Sport
3 Lebenspraxis im Projekt 27 AW Psychomotorik im Projekt 27 KS Berufswahl- orientierung im Projekt 27
4 GL Musik GL WP1 Religion
MP          
6 Deutsch   Berufswahl- orientierung im Projekt 27 Mathematik  
7 Musik   AS Psychomotorik im Projekt 27  

 

Alle Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf können zu jeder Zeit ad hoc ins Projekt27 kommen. Gründe für einen Wechsel des Lernortes können sein: Schwierigkeiten beim Aufgabenverständnis, Auszeiten, Konflikte, kein Material Vorhanden, … Der Fachlehrer vermerkt im Schulplaner, um wieviel Uhr, aus welchem Grund und mit welchem Auftrag eine Schülerin/ein Schüler in das Projekt27 kommt. Im Projekt27 hat die Schülerin/der Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen, die Aufgaben Zu bearbeiten und in ruhiger Atmosphäre Probleme und/oder Konflikte zu klären.

  1. Abschlüsse
Förderschwerpunkte

emotionale & soziale Entwicklung

körperliche & motorische Entwicklung

Hören & Kommunikation

Sprache

Förderschwerpunkte

Lernen

geistige Entwicklung

 

Hauptschulabschluss nach Klasse 9

Hauptschulabschluss nach Klasse 10

Fachoberschulreife

Fachoberschulreife mit der Qualifikation zum Besuch der Oberstufe

Fachabitur

Abitur

Abschluss der Förderschule für geistige Entwicklung

Abschluss der Förderschule Lernen

Hauptschulabschluss Klasse 9 nach 10 im besonderen Bildungsgang

 

  1. Beratung

Die Sonderpädagoginnen des Projekts27 beraten Eltern, Schüler, Schulassistenten und Kolleginnen / Kollegen in den folgenden Bereichen:

Elternberatung ·         Schullaufbahn

·         Außerunterrichtliche Förderangebote

·         Übergang Schule-Beruf

·         Berufswahlorientierung

·         Ziele des Förderplans

 

Schülerberatung ·         Schullaufbahn

·         Schulabschlüsse

·         Außerunterrichtliche Förderangebote

·         Übergang Schule-Beruf

·         Praktikumssuche

·         Berufswahlorientierung

·         Konfliktsituationen

·         Problemlösestrategien

·         Streitschlichtung

·         Selbstbild

·         Ziele des Förderplans

 

 

Beratung der Schulassistenten ·         Einsatz im Unterricht

·         Einführung in Unterrichtsmaterialien

·         Ziele des Förderplans

·         Individuelle Bedürfnisse des Zu begleitenden Kindes

 

Beratung der

Kolleginnen /

Kollegen

 

·         Ziele des Förderplans

·         Schulabschlüsse

·         Individuelle Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler mit

·         Sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf

·         Differenzierung des Unterrichts:

o   Inhalte, Ziele und Aufgabenarten

o   Unterrichtsformen, Sozialformen und Methoden

o   Lernorte und Lernumgebung

o   Lehrerzuwendung durch Hilfen und Vorgaben

o   Medien und Materialien

o   Interesse, Lerntempo, Lernbereitschaft und Fähigkeit

 

 

  1. Berufswahlorientierung im Projekt27

Die Berufswahlorientierung beginnt mit der Potenzialanalyse im 1. Halbjahr der Klasse 8. Die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf haben die Möglichkeit, an einer Potenzialanalyse des ifd (Integrationsfachdienstes) teilzunehmen. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit zur weiteren Beratung und Begleitung durch den ifd für Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in den Bereichen Hören & Kommunikation, körperliche & motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sprache, Autismus, Sehen und für alle mit einem Schwerbehindertenausweis.

Ein weiterer Schritt ist die Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs am Girls‘ und Boys’Day im April. Hierbei können die Schülerinnen und Schüler auch bei ihren Eltern, Bekannten oder Verwandten zu deren Arbeitsplätzen mitgehen. So werden Ängste und Unsicherheiten reduziert, die Schülerinnen und Schüler können aber trotzdem in verschiedene („geschlechtstypische“) Berufe hineinschnuppern und erste Erfahrungen in Berufsfeldern machen.

Im 2. Halbjahr der Klasse 8 kann eine Begleitung für den Übergang Schule – Beruf durch die INTRA oder den ifd /ifd Hören angebahnt werden. Hier werden die Schülerinnen und Schüler in Verschiedenen Belangen der beruflichen Orientierung beraten und begleitet. Es besteht eine enge Kooperation zwischen den Sonderpädagoginnen, den Eltern und den Berufseinstiegsbegleitern.

Im 1. und 2. Halbjahr der Klasse 8 werden die Schülerinnen und Schüler auf ihr erstes Betriebspraktikum vor den Sommerferien vorbereitet. Sie bekommen im Rahmen des AW Unterrichts in der Kleingruppe beispielsweise Tipps und Unterstützung zur Praktikumsplatzsuche, lernen verschiedene Berufsfelder kennen und besprechen die Praktikumsmappe.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 erhalten bei Bedarf ebenfalls Unterstützung bei der Suche ihres Praktikumsplatzes, bei Fragen Zu geeigneten Berufsfeldern und zur Praktikumsmappe.

Im Januar kurz vor den Halbjahreszeugnissen können die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 – 10 Zusätzlich ein freiwilliges Betriebspraktikum absolvieren. Dieses wird auch von den Sonderpädagoginnen begleitet und gegebenenfalls Zusätzlich durch die individuelle Berufseinstiegsbegleitung betreut. Die Schülerinnen und Schüler sind über die Schule versichert und offiziell vom Unterricht befreit. Hier bietet sich die Chance ein weiteres Berufsfeld kennen Zu lernen oder bereits erfolgte Einblicke in ein Berufsfeld zu intensivieren.

Im Rahmen der Berufswahlorientierung Streben wir eine enge Vernetzung mit der allgemeinen Berufsberatung und der Rehaberatung der Agentur für Arbeit an. Die Reha-Erstberatung startet im 2. Halbjahr der 9. Klasse und wird im 1. Halbjahr der 10. Klasse durch die Beratung über konkrete Maßnahmen und Möglichkeiten nach dem Schulabschluss ergänzt. Die allgemeine Berufsberaterin ist an festen Tagen in der Schule anwesend und es können dort Termine wahrgenommen werden.

Im täglichen Schulalltag hat die berufliche Orientierung einen großen Stellenwert. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit regelmäßig im Schulkiosk der Firma LEHMANNs mitzuarbeiten. Hier sind sie an bestimmten Tagen Zu bestimmten Zeiten fest für die Arbeit im Kiosk eingeteilt und übernehmen verschiedene Aufgaben, die im regulären Betrieb anfallen. Zusätzlich führen wir einen Haushalts- und Technikführerschein durch und thematisieren im Rahmen der Lebenspraktischen Förderung berufsrelevante Themen wie Mobilität, Durchführung aufeinander aufbauender Arbeitsschritte, Telefongespräche richtig führen oder Kommunikation mit fremden Menschen.

Zusätzlich steht die Projektwoche vor den Herbstferien ganz im Zeichen der Berufswahlorientierung und richtet sich hauptsächlich an die Schülerinnen und Schüler, die in zieldifferenten Bildungsgängen in den Jahrgängen 8 und 9 unterrichtet werden.

Planung der Projektwoche (immer im Jahreswechsel)

Montag Jg. 8 & 9: Kochen [Einkauf, Kochen, Essen] Jg. 8 & 9: Kochen ,,.

[Einkauf, Kochen, Essen]

Dienstag Jg. 8: Besuch der INTRA Jg. 9: ÖPNV-Training und Innenstadterkundung Jg. 8: Besuch der INTRA Jg. 9: ÖPNV-Training und Innenstadterkundung
Mittwoch Besuch der Greifvogelstation ????
Donnerstag Jg. 8 & 9: Godesburger Jg. 8 & 9:

Haus Müllestumpe

Freitag Präsentation der Projektwoche in den Klassen Präsentation der Projektwoche in den Klassen

 

Im Laufe der Projektwoche erstellen immer zwei Schüler gemeinsam ein Lapbook, mit dessen Hilfe sie dann ihre Projektwoche in der Klasse vorstellen können.

Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs können während der Projektwoche ein freiwilliges Praktikum machen.

Die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs sind in dieser Woche auf Abschlussfahrt.

  1. Lebenspraxis

Das Ziel eines lebenspraktischen Unterrichtes ist es, unsere Schülerinnen und Schüler zu einem weitgehend selbstbestimmten Leben im Sinne einer Integration in die Gesellschaft zu führen und ihnen damit das Leben in sozialer Integration und Interaktion zu ermöglichen.

„Lebenspraktische Förderung” will die lebenspraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler fördern und verbessern. Sie soll den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, jetzt und in Zukunft ihre Lebenssituation zu meistern und weitgehend selbständig, selbstbestimmt und unabhängig von Fremdhilfe zu agieren. Gerade deshalb ist sie ein wichtiger Bestandteil in der unterrichtlichen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf und wichtiger Bestandteil im Rahmen der regelmäßig zu erstellenden individuellen Förderpläne und der Evaluation der individuellen Entwicklungsprozesse der Schüler. Dabei kommen, je nach Förderschwerpunkt und individuellen Bedürfnissen, unterschiedliche Fachbereiche mit verschiedenen Inhalten zur Geltung. So kann beispielsweise der Fachbereich „Kommunikation“ für eine Schülerin / einen Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale & Soziale Entwicklung einen ganz anderen Inhalt haben als für eine Schülerin / einen Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Der eine lernt, sich Situationsangemessen zu unterhalten, die andere lernt, mit unbekannten Menschen in Verbale Kommunikation zu treten.