Der Trainingsraum – ein Baustein individueller Förderung

Seit vier Jahren gibt es in unserer Schule den Trainingsraum für eigenverantwortliches Handeln.

Jede Schülerin und jeder Schüler soll in unserer Schule die Chance bekommen, seine schulischen Ziele bestmöglich zu erreichen. Mit Hilfe des Konzepts „Eigenverantwortliches Denken in der Schule” soll lernbereiten Schülern ein erfolgreiches und ungestörtes Lernen ermöglicht werden.

Damit dies gelingt, wird großer Wert auf eine gute Lern- und Lehratmosphäre sowie ein respektvolles Miteinander, gegenseitige Rücksichtnahme und Höflichkeit gelegt.

Die drei Regeln des Trainingsraums bilden hierfür die Grundlage:

  • Jede Schülerin und jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen.
  • Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat das Recht, ungestört zu unterrichten.
  • Jede/r muss stets die Rechte der anderen respektieren.

Die daraus resultierenden verbindlichen Verhaltensregeln hängen in jedem Klassenraum aus, sodass alle Schüler und Schülerinnen und alle Kollegen und Kolleginnen sich auf diese verlässlichen Grundregeln beziehen können.

Im Unterrichtsverlauf kommt es immer wieder zu Regelverstößen und somit zu Unterrichtsstörungen. Um nun eine möglichst dauerhafte Verhaltensänderung zu bewirken, wird an der Absicht des Einzelnen angeknüpft, der Störung im Gespräch  Raum gegeben und dem Schüler/ der Schülerin die Möglichkeit geboten ihr Verhalten zu reflektieren.

Außerhalb des Klassenraums und in ruhiger Atmosphäre werden Ursache, Auslöser und Auswirkung des eigenen Verhaltens besprochen und individuelle Lösungsstrategien erarbeitet.

Durch die individuelle Betreuung im Trainingsraum werden wichtige Schlüsselqualifikationen, wie etwa die Kompetenz, sich angemessen in sozialen Gruppen zu verhalten, gefördert. Hier soll die Sozialkompetenz und Eigenverantwortlichkeit zusätzlich zum theoretischen und fachpraktischen Wissen ausgebildet und gestärkt werden.

Im Unterricht bleibt oft nicht genügend Zeit und Raum, um über die Gründe und Folgen einer Störung zu sprechen, der/die Verursacher/in der Störung wird nach draußen geschickt. Im Trainingsraum wird sich Zeit genommen, die Störung zu hinterfragen und gemeinsam mit dem Schüler/der Schülerin  auf neutralem Boden einen Plan zu erarbeiten, wie der Schüler wieder gut am Unterricht teilnehmen kann.
Bereits im Vorfeld trifft der Schüler/die Schülerin eine Entscheidung,  ein erster Hinweis auf das  – häufig unbewusste – störende  Verhalten durch den Lehrer macht dieses bewusst und bietet die Wahlmöglichkeit der sofortigen Veränderung des Verhaltens oder des Gangs zum Trainingsraum. Schon vor dem Besuch im Trainingsraum hat der Schüler/die Schülerin die Möglichkeit durch Bewusstmachung sein Handeln selbstkontrolliert zu ändern.

Im Trainingsraum selbst fühlt sich der Schüler/die Schülerin ernst genommen und erlebt Hilfe zur Selbsthilfe. Die Entwicklung von Handlungsplänen und Selbständigkeit in Planung und Durchführung stehen dabei im Vordergrund.

Das Trainingsraumkonzept erhebt keinen Anspruch darauf, ein Patentrezept der Pädagogik zu sein. Vielmehr kann es als ein Bestandteil eines umfassenden Gesamtkonzepts individueller Förderung verstanden werden, in dessen Mittelpunkt das eigenverantwortliche Denken und Handeln steht. Der Trainingsraum ist ein Ort, an dem Unterricht in anderer Form stattfindet, indem ein vertieftes Nachdenken über das eigene Verhalten ermöglicht wird. Ziel ist es, durch Unterstützung Handlungsplanung zu ermöglichen. Der Unterricht im Trainingsraum hat das Ziel, die soziale Kompetenz eines störenden Schülers zu erweitern. Es ist ein zeitlich begrenzter Unterricht, in dem es verstärkt um Erziehung und um die ganz individuellen Belange des Schülers geht.